Hubble Deep Field
Zehn Tage Belichtung auf einen scheinbar leeren Fleck im Sternbild Großer Bär — ein Ausschnitt so groß wie ein Reiskorn am ausgestreckten Arm. Ergebnis: rund 3 000 Galaxien, viele aus der Frühzeit des Universums.
Sektion · Deep Field
Die tiefsten Blicke ins All entstehen aus winzigen, scheinbar leeren Himmelsflecken: Tage- bis wochenlang belichtet, füllen sie sich mit Tausenden Galaxien — jede ein eigenes Inseluniversum aus Milliarden Sonnen, manche so fern, dass ihr Licht fast so alt ist wie das Universum selbst.
Interaktiv
Dieses prozedural erzeugte Deep Field zeigt Tausende winziger Galaxien in drei Tiefenebenen. Zoome hinein: Das Feld wächst, schwächere und fernere — rötlichere — Galaxien werden sichtbar, und die Anzeige verrät, wie weit dein Blick in die Vergangenheit reicht.
Fast jeder Punkt in diesem Bild ist eine Galaxie, kein Stern. Nur die wenigen hellen Objekte mit Kreuzstrahlen sind Vordergrundsterne der Milchstraße. Alles andere sind ferne Inseluniversen mit je Milliarden Sternen.
Grundlagen
Ein Deep Field entsteht, wenn ein Teleskop über Tage oder Wochen immer wieder denselben winzigen, scheinbar leeren Himmelsausschnitt anvisiert. Die lange Belichtungszeit sammelt Photonen von Objekten, die milliardenfach lichtschwächer sind als alles, was das bloße Auge sehen kann.
Weil Licht endlich schnell ist, ist jeder Blick ins All ein Blick in die Vergangenheit: Das Licht der fernsten Galaxien in diesen Feldern war mehr als 13 Milliarden Jahre unterwegs. Wir sehen diese Galaxien so, wie sie im frühen Universum aussahen.
Hinzu kommt die Expansion des Universums: Sie streckt das Licht unterwegs in den roten und infraroten Bereich — die Rotverschiebung. Je röter eine Galaxie erscheint, desto weiter ist ihr Licht gereist. Genau deshalb beobachtet das JWST im Infraroten.
Ikonische Felder
Zehn Tage Belichtung auf einen scheinbar leeren Fleck im Sternbild Großer Bär — ein Ausschnitt so groß wie ein Reiskorn am ausgestreckten Arm. Ergebnis: rund 3 000 Galaxien, viele aus der Frühzeit des Universums.
Über eine Million Sekunden Belichtungszeit — rund elf Tage — auf einen Fleck im Sternbild Fornax. Das HUDF zeigt etwa 10 000 Galaxien, die fernsten mit rund 13 Milliarden Jahren Rückblick.
Das erste Deep Field des James-Webb-Weltraumteleskops. Der Galaxienhaufen SMACS 0723 wirkt als Gravitationslinse und verstärkt das Licht noch fernerer Galaxien hinter ihm.
Die JADES-Durchmusterung entdeckte unter anderem JADES-GS-z14-0, deren Licht rund 13,5 Milliarden Jahre unterwegs war — Stand 2024/25 eine der fernsten bestätigten Galaxien überhaupt.
Kosmisches Teleskop
Massereiche Galaxienhaufen krümmen die Raumzeit so stark, dass sie wie eine Linse wirken: Das Licht dahinterliegender Galaxien wird abgelenkt, vergrößert und aufgehellt.
Auf dem JWST-Bild von SMACS 0723 zeigt sich der Effekt als lange, gebogene Lichtbögen rund um den Haufen — verzerrte Abbilder von Galaxien, die ohne den Linseneffekt unsichtbar blieben. Programme wie die Frontier Fields nutzen genau das gezielt aus.
Chronik der Tiefenfelder
| Jahr | Feld | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1995 | Hubble Deep Field (HDF) | Erster tagelanger Blick in einen leeren Himmelsfleck: rund 3 000 Galaxien auf reiskorngroßem Ausschnitt. |
| 1998 | HDF-Süd | Wiederholung des Experiments auf der Südhalbkugel — vergleichbare Galaxiendichte in beide Himmelsrichtungen. |
| 2004 | Hubble Ultra Deep Field | Über eine Million Sekunden Belichtung, rund 10 000 Galaxien, bis zu 13 Mrd. Jahre Rückblick. |
| 2012 | eXtreme Deep Field (XDF) | Vertiefung des HUDF aus zehn Jahren Archivdaten — die damals tiefste optische Aufnahme des Himmels. |
| 2014 | Frontier Fields | Sechs Galaxienhaufen dienen als Gravitationslinsen und verstärken den Blick auf dahinterliegende Galaxien. |
| 2022 | SMACS 0723 | Erstes Farbbild und Deep Field des JWST — veröffentlicht im Juli 2022. |
| 2023 | JADES / CEERS | Große JWST-Durchmusterungen; unter anderem JADES-GS-z14-0 mit rund 13,5 Mrd. Jahren Rückblick. |